Bahá’í-Gemeinden Hamburg

Die Bahá’í-Religion ist die jüngste Weltreligion. Gestiftet in Persien um die Mitte des 19. Jhdts., verkündet sie die Einheit Gottes, die Einheit der Menschheit und eine fortschreitende Gottesoffenbarung, die die Kernbotschaften aller anderen Weltreligionen mit einschließt. Bahá’í-Gemeinden befinden sich in allen Erdteilen und zählen insgesamt fast sechs Millionen Mitglieder.

Der Bahá’í-Glaube verkündet Bahá’u’lláh als den in den Religionen verheißenen Welterneuerer; mit seinem Kommen seien die Verheißungen erfüllt, und das Ende des alten Zeitalters und der Beginn einer neuen Zeit eingetreten.

Der Bahá’í-Glaube erreichte 1924 Hamburg. Bahá’í-Schriften wurden im „Verlag der Weltgemeinschaft, deutscher Zweig, Wandsbek“ herausgegeben. Eine „Bahá’í-Bewegung Hamburg“ entstand im Jahre 1925 und die erste feste Organisation, ein Örtlicher Geistiger Rat, folgte im Jahre 1930. Im selben Jahr wurde der Bahá’í-Glaube durch einen Vortrag von Martha Root, der bedeutendsten amerikanischen Reiselehrerin, in der Universität bekannt gemacht. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch erstmals Bahá’í-Schriften in deutscher Sprache der damaligen Staatsbibliothek übergeben und in deren Bestand aufgenommen.

Die Bahá’í-Religion in Hamburg und im Deutschen Reich wurde 1937 durch die Nazi-Regierung verboten. In Folge dessen wurden Bahá’í-Institutionen aufgelöst und Versammlungen verboten. Die geistige Stärke der Gemeinschaft wurde durch diese – aus der Sicht der Bahá’í-verwaltungstechnische Maßnahme nicht ernsthaft beeinträchtigt, so dass 1946 der Örtliche Geistige Rat erneut gebildet und 1956 ins Hamburger Vereinsregister eingetragen werden konnte.

Der Nationale Geistige Rat von Deutschland hat den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Heutige Situation

Heute gibt es in jedem Bezirk Hamburgs Gemeindemitglieder die administrativ in 6 Gemeinden aufgeteilt sind. Die Führung der Gemeinde erfolgt durch den jeweiligen Geistigen Rat, der jährlich gewählt wird. Jedes Gemeindemitglied hat dabei das aktive und passive Wahlrecht, und gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

Es gibt 4 Kernaktivitäten für alle Bahá’í in der Welt, so auch in Hamburg.

  1. Andachten, die für alle offen stehen
  2. Institutskurse mit derzeit 8 Kursprogrammen, die ebenfalls für alle offen stehen und kostenlos sind
  3. Kinderklassen für verschiedene Altersstufen
  4. Juniorjugendklassen für die Altersgruppen 11-15
Die Bahá’í-Gemeinde im Dialog der Religionen

„Unsere Hoffnung ist, dass sich die religiösen Führer der Welt und ihre Herrscher vereint für die Neugestaltung dieses Zeitalters und die Wiederherstellung seiner Wohlfahrt erheben werden. Lasst sie, nachdem sie über seine Nöte nachgedacht haben, zusammen beraten und nach sorgsamer, reiflicher Überlegung einer kranken, schwer leidenden Welt das Heilmittel darreichen, dessen sie bedarf“
Bahá’u’lláh, Ährenlese 110:2

„Verkehret mit den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Brüderlichkeit“
Abdu’l-Bahá, in: Den Glauben vertiefen, 67

In einer immer globaler werdenden Welt mit zunehmender Migration haben die Religionen eine besondere gemeinsame Verantwortung. Durch eine gemeinsame Anstrengung der Religionen kann in unserer pluralistischen Gesellschaft Zusammenhalt erzielt werden, der vom gleichgültigen Nebeneinander zu einem konstruktiven Miteinander, von Abschottung zu gegenseitiger Bereicherung führt.

Die Bahá’í-Gemeinde möchte in diesem Annäherungsprozess den Dialog der Religionen fördern. Sie tritt dafür ein, aus der Vielfalt unterschiedlicher Kulturen und Religionen ein Maximum an gemeinsamen Werten zu schöpfen. Sie schlägt vor, individuelle Freiheit und Selbstbestimmung, Aufklärung und Demokratie nicht weiter von religiös begründeter Wertevermittlung zu lösen, sondern das Wagnis des Dialogs, ja der Versöhnung mit Religion einzugehen.

Nach dem Glauben der Bahá’í gilt es heute, den gemeinsamen Ursprung der Religionen zu akzeptieren, die Schädlichkeit von Ausschließlichkeitsansprüchen anzuerkennen und die Verantwortung für die Abschaffung religiöser Konflikte wahrzunehmen. Damit werden Unterschiede nicht geleugnet, die Religionen nicht gleich gemacht, sondern vielmehr eine Grundlage geschaffen, die eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe ermöglichen kann. Interreligiöser Dialog sollte darauf abzielen, gemeinsam dem Hauptzweck der Religionen zu dienen: „…das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, seine Einheit zu fördern und den Geist der Liebe und Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen“ (Bahá’u’lláh, Ährenlese 110:1).